Moderne Medizin
Meßgeräte
Mit hochkomplizierten Apparaten lassen sich viele Körperfunktionen messen und aufzeichnen. Selbst kleinste Störungen werden dabei registriert.
In unserem Körper läuft ständig eine Vielzahl äußerst komplizierter Vorgänge ab, die eng miteinander verknüpft sind. Treten in einem Teilbereich des fein abgestimmten Systems Störungen auf, hat dies weitreichende Folgen. So kann es passieren, daß nicht mehr ausreichend Blut durch unseren Körper gepumpt wird, Weil der Herzmuskel zu schwach ist. Oder er muß auf Hochtouren arbeiten, um gegen Widerstände in den Blutgefäßen anzupumpen. Diese Fehlfunktionen können mit Geräten aufgespürt und oft auch genau lokalisiert werden. Einige dieser Funktionsprüfungen wie das EKG und die Blutdruckmessung sind Bestandteil der Vorsorgeuntersuchung "Check ab 35", die alle 2 Jahre von der Krankenkasse bezahlt wird.
Die Diagnoseverfahren
EEG
Unser Gehirn ist die Nachrichten- und Steuerungszentrale des Körpers. Es empfängt und sendet Signale - ganz gleich, ob wir nun denken, fühlen, schmecken oder uns bewegen. Dabei entstehen elektrische Ströme, die beim Elektroenzephalogramm (EEG) aufgezeichnet werden.
Was kann festgestellt werden?
Die Hirnstöme haben normalerweise einen charakteristischen Verlauf. Durch Gewebeveränderungen im Gehirn werden sie jedoch meist aus der Bahn gelenkt. So kann eine mögliche Tumorentwicklung frühzeitig erkannt werden. Gleichzeitig gibt ein EEG Hinweise z.B. Epilepsie (krampfartige Anfälle) und Hirnveletzungen.
Wann wird untersucht?
Wenn häufig Kopfschmerzen, Schwindelattacken oder Fieber auftreten sowie bei plötzlicher Gefühllosigkeit in Arm ode Bein. Vor allem aber bei Kopfverletzungen, um eventuelle Gehirnschäden auszuschließen.
Achtung: Vor dem Arztbesuch sollten Sie keine Schlaf- oder Beruhigungsmittel einnehmen, sie können die Hirnströme beeinflussen.
Wie wird untersucht?
Eine aus Gummibändern bestehende haube, an der kleine Metallplättchen (Elektroden) angebracht sind, wird über den Kopf gestülpt. Die Elektroden sind über Kabel mit einem Gerät verbunden, dessen Zeiger bei jedem Stromimpuls ausschlägt und diese in Zacken und Kurven auf ein Endlospapier überträgt.
EKG
Das Herz ist der Antriebsmotor, der unseren Blutkreislauf und damit den gesamten Organismus in Schwung hält. Um diese Aufgaben zu erfüllen, muß sich der Herzmuskel rhythmisch
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zusammenziehen (in Ruhe etwa 70 Schläge pro Minute). Das "Kommando" dazu erhält er über elektrische Impulse, die vom sog. Sinusknoten im rechten Vorhof des Herzens ausgehen. Diese Stromsignale werden durch unseren gesamten Körper geleitet. Bei einem Elektrokardiogramm (EKG) werden diese elektrischen Ströme aufgezeichnet.
Was kann festgestellt werden?
Anhand der Kurvenverläufe kann der Arzt z.B. Herzrhythmusstörungen ablesen sowie die genaue Lage der Herzachse erkennen. Außerdem gibt das Diagramm Aufschluß darüber, ob die Durchblutung eingeschränkt ist. Meist ist diese Störung auf eine Verengung der Herzkranzgefäße (Koronarsklerose) zurückzuführen, die bei völligem Verschluß zum Herzinfarkt führt.
Wann wird untersucht?
Bei Druck oder Schmerzen in der Herzgegend, Brennen hinter de, Brustbein und Oberbauchschmerzen. Diabetiker, Raucher und Patienten mit hohen Cholesterinwerten sollten regelmäßig ein Kontroll-EKG machen lassen. Das gilt auch für Menschen, in deren Familie bereits Herzkrankheiten aufgetreten sind.
Wie wird untersucht?
Auf dem Brustkorb sowie an beiden Armen und Beinen werden nach einem bestimmten Schema 10 bis 12 Elektroden angelegt. Von ihnen führen Kabel zu einem Aufzeichnungsgerät (siehe EEG). Bei Verdacht auf Erkrankungen der Herzkranzgefäße wird häufig ein Belastungs-EKG gemacht: Dabei muß der Patient etwa 20 Minuten auf einem Ergometer wie beim Fahrradfahren in die Pedale treten. Schließlich gibt es noch das Dauer-EKG, bei dem man über 24 Stunden an Elektroden angeschlossen ist und das Aufzeichnungsgerät mit sich herumträgt. Bei diesen Messungen muß der Patient auch laufend seine Tätigkeiten während des Tages und der Nacht aufzeichnen und auch alle Medikamenten-Einnahmen aufschreiben.
Blutdruck
Als Blutdruck wird der Druck bezeichnet, der in den arteriellen Blutgefäßen herrscht, durch die das vom Herzen kommende Blut fließt. Dieser Druck wird im wesentlichen von der Pumpkraft des Herzens und vom Widerstand der Gefäße bestimmt.
Was kann festgestellt werden?
Wenn die Dehnungsfähigkeit der Blutgefäße z.B. durch Kalkablagerungen vermindert ist, muß der Herzmuskel mehr Kraft aufwenden, d.h. sich stärker zusammenziehen, um das Blut durch den Körper zu pumpen. Dadurch erhöht sich auch der Druck in den Adern. Bei gesunden Erwachsenen liegt der Blutdruck zwischen 115-125/75 (bei 15-30jährigen) und 135-140/80-90 (bei 40-50jährigen). Liegt der erste Wert über 160 und der zweite über 85, spricht man von Bluthochdruck (Hypertonie). Er ist meist Hinweis auf Arteriosklerose (Gefäßverkalkung). die, bleibt sie unbehandelt, die Blutgefäße schleichend verstopfen kann und so zu Angina pectoris, Schlaganfall oder Herzinfarkt führt. Wo der Grenzwert für zu niedrigen Blutdruck (Hypotonie) liegt, ist unter Medizinern umstritten, denn er hängt überwiegend vom subjektiven Wohlbefinden des Patienten ab. Bei mäßigen Kreislaufbeschwerden ist eine Behandlung nicht nötig. Der niedrige Blutdruck sollte aber regelmäßig kontrolliert werden.
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Wann wird untersucht?
Bei Kopfschmerzen, Schwindel, starkem Herzklopfen und Ohrensausen sowie bei schnell eintretender Erschöpfung und dauernder Müdigkeit. Da Bluthochdruck nicht zwangsläufig Beschwerden verursacht, sollte der Blutdruck wegen des Erkrankungsrisikos regelmäßig kontrolliert werden. Das gilt vor allem für starke Raucher, Menschen mit Übergewicht oder bei regelmäßiger Einnahme von Medikamenten.
Wie wird untersucht?
Am Oberarm des Patienten wird eine Manschette befestigt, die über einen Schlauch mit einem Druckmesser (Manometer) verbunden ist. Wenn die Manschette so fest aufgepumpt ist, daß kein Blut mehr durch die Adern fließt, wird die Luft langsam wieder abgelassen. Mit einem Stethoskop hört der Arzt jetzt in der Armbeuge auf das erste Geräusch, das entsteht, sobald das Blut neu zu strömen beginnt. Der zu diesem Zeitpunkt herrschende Druck in der Armarterie wird am Manometer in Milligramm Quecksilber (mm Hg) abgelesen. Er heißt systolischer Druck. der zweite, niedrigere Wert, der sog. diastolische Druck, wird in dem Augenblick bestimmt, in dem das Geräusch verstummt.
Nervosität oder Aufregung, aber auch Strß können erhöhte Werte verursachen und damit Bluthochdruck vortäuschen. Der Arzt mißt in solchen Fällen deshalb zur Kontrolle ein weiteres Mal den Blutdruck, sobald der Patient ruhiger ist.
Blutdruck selber messen
Für alle, die ihren Blutdruck regelmäßig überprüfen wollen oder müssen, lohnt sich die Anschaffung eines eigenen Meßgerätes (in Apotheken oder Medizinischen Warenhäusern). Bei Dialysepatienten trägt die Krankenkasse die Kosten, sonst nur in begründeten Ausnahmefällen.
Am einfachsten zu handhaben sind die elektronischen Blutdruckmesser mit Digitalanzeige und akustischem Signal (Preis: ca. 190 DM). Dabei befestigt man am Oberarm eine aufblasbare Manschette mit eingebautem Mikrofon, das die aufgenommenen Geräusche des Blutstroms zum Gerät leitet. Die Manschette wird mit einem kleinen Blasebalg fest aufgepumpt und die Luft dann langsam abgelassen. Der Wert, der beim Beginn des Signaltons angezeigt wird, ist der systolische Druck. Sobald der Ton verstummt, muß der zweite Wert, der diastolische Druck, abgelesen werden. Ein herkömmlicher Blutdruckmesser mit Stethoskop ist schon für rd. 100 DM zu haben. Seine Anwendung geschieht wie unter "Wie wird untersucht" angegeben.
Oszillographie
Etwa alle 0,8 Sekunden pumpt unser Herz ungefähr 70 Milliliter Blut in die Adern. Dieser schnelle Rhythmus versetzt das Blut in Wellen, sog. Pulswellen. Die Geschwindigkeit, mit der diese Pulswellen durch den Körper fließen, bzw. der Druck dieser Schübe wird mit der Oszillographie (Pulswellenmessung) erfaßt.
Was kann festgestellt werden?
Das Diagramm gibt exakten Aufschluß über Gefäßverengungen im Körper: An diesen Stellen erhöht sich die Geschwindigkeit der Pulswellen.
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Wann wird untersucht?
Vor allem bei Verdacht auf Durchblutungsstörungen. Typische Symptome dafür sind Schmerzen in den Beinen, die bereits nach kurzen Wegstrecken auftreten (Schaufensterkrankheit) sowie kalte Hände oder Füße bis hin zur Gefühlslosigkeit. Weitere Anzeichen: Schmerzen in Beinen und Zehen, die sich beim Hochlegen der Füße noch verstärken, sowie eine pergamentartig veränderte Haut. Vor allem Raucher und Diabetiker haben ein erhöhtes Risiko, an Durchblutungsstörungen zu erkranken.
Wie wird untersucht?
An Arm, Bein oder Daumen des Patienten wird eine luftgefüllte Druckmanschette befestigt. Sie ist über Leitungen mit dem Aufzeichnungsgerät verbunden. Die Pulswellen werden, ähnlich wie beim EKG, als Kurven auf eine Papiersteifen übertragen.
Spirographie
Rund 300 Millionen Lungenbläschen nehmen die Luft auf, die wir einatmen. Die Luftmenge wird bestimmt von der Elastizität der Lunge, d.h. von ihrer Fähigkeit, sich auszudehnen. das entsprechende Atemvolumen läßt sich mit der Spirographie (Atemfunktionsprüfung) genau ermitteln.
Was kann festgestellt werden?
Erkrankungen der Luftwege wie z.B. Asthma oder Atemwegverengungen (obstruktive Bronchitis). Störungen kann aber auch ein Lungenemphysem (Lungenblähung) verursachen. Es ist meist die Folge einer chronischen Bronchitis: Durch den Druck der ständig geschwollenen Bronchialschleimhaut werden Lungenbläschen zerstört und durch wenige größere ersetzt.
Wann wird untersucht?
Bei Atemnot kann schon nach kleinsten Anstrengungen, Schmerzen im Brustkorb, Fieber und Husten sowie Müdigkeit und Abgespanntheit über einen längeren Zeitraum.
Wie wird untersucht?
Der Patient atmet über einen Schlauch mit Mundstück in das Spirometer. Dieses Gerät mißt die ein- bzw. ausströmende Luftmenge und zeichnet das Ergebnis in Kurven auf. Beim normalen Atmen beträgt diese Menge etwa einen halben Liter. Außerdem wird die "Vitalkapazität" registriert. Das ist die maximale Luftmenge, die unsere Lunge aufnehmen kann. Gesunde Menschen bringen es im Schnitt auf 3 1/2 bis 5, Sportler bis auf 8 Liter. Mit zunehmenden Alter läßt die Elastizität der Lunge langsam nach, die Atemmenge verringert sich. Ähnlich wie das Spirometer funktioniert auch das "Peak-Flow-Meter" (Spitzenflußmeter). Es mißt die Geschwindigkeit des Atems beim kraftvollen Ausatmen. Dieses Gerät wird besonders bei Asthmatikern zur Selbstkontrolle eingesetzt. Anhand des Ergebnisses dosieren sie entsprechend ihre Medikamente.